Am Südrand der Tuscia liegt ein Dorf, das der italienische Staat 1935 für verloren erklärte — und das Künstler gerettet haben. Wer sich fragt, was man in Calcata sehen kann, beginnt am besten mit dieser Geschichte: eine Handvoll Tuffsteinhäuser auf einem Felsen hoch über dem Treja-Tal, ein einziges Tor, keine Autos, Werkstätten und Ateliers statt Garagen. Rund fünfzig Kilometer von Rom und etwa 40 Minuten von der Villa entfernt ist es der ungewöhnlichste Ausflug, den diese Gegend zu bieten hat.
Das «verurteilte» Dorf, das die Künstler retteten
Calcatas Geschichte gleicht keiner anderen. 1935 ordnete ein Sondergesetz die Räumung an: Der Tufffelsen, auf dem das Dorf steht, bröckelte, und der Ort wurde für einsturzgefährdet erklärt. Die Bewohner zogen zwei Kilometer weiter auf die Hochebene von Calcata Nuova, und das alte Dorf stand dreißig Jahre lang leer — eine Geisterstadt über dem Wald. Ende der Sechzigerjahre dann die Überraschung: Neue Gutachten bescheinigten dem Felsen Stabilität, und angezogen von Häusern zu Spottpreisen und einer Atmosphäre außerhalb der Zeit kamen Künstler, Kunsthandwerker und Träumer aus der halben Welt. Sie restaurierten die Häuser Stein für Stein und eröffneten Ateliers, Galerien und Läden. Heute lebt Calcata von dieser doppelten Seele — mittelalterlich im Stein, unkonventionell im Geist — und manche nennen es «das Hexendorf».
Im Dorf: Gassen, Werkstätten und Terrassen über dem Abgrund
Nach Calcata gelangt man nur zu Fuß: Das Auto bleibt auf dem ausgeschilderten Parkplatz vor dem Dorf, dann geht es über Tuffsteintreppen hinunter zum Tor. Schon der Eingang gibt den Ton an: eine schummrige, überwölbte Gasse mit Moos an den Wänden, die auf die kleine Piazza mündet — das Wohnzimmer des Dorfes, wo die Tische der Osterien neben den Türen der Galerien stehen. Von dort fächern sich die Gassen zu kleinen Terrassen über dem Treja-Tal auf: darunter nur Wald und ein Fluss, den man eher hört als sieht. Die Läden machen den Charakter des Ortes aus: ein Teesalon mit hundert Sorten, handgemachte Seife, Keramik, Ateliers, die zugleich Wohnungen sind. Das Dorf ist schnell durchlaufen; die richtige Art, hier zu sein, ist die langsame.
Opera Bosco, das Museum, das im Wald wächst
Gleich unterhalb des Dorfes, mitten im Grün, liegt der eigenwilligste Ort von allen: Opera Bosco, ein Freilichtmuseum für zeitgenössische Kunst, 1996 auf drei Hektar Wald entstanden. Die Werke bestehen ausschließlich aus den rohen Materialien des Waldes — Äste, Tuff, Laub — und verändern sich mit der Zeit, wachsen, vergehen: Die Kunst folgt den Jahreszeiten wie alles andere im Tal. Der Rundgang ist ein echter Pfad mit Auf und Ab: Rechnen Sie mit anderthalb Stunden und tragen Sie feste Schuhe.



