Eine halbe Stunde von Villa Vacanze Valentina entfernt liegt ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist — im wörtlichen Sinn. Celleno, das „Geisterdorf“ der Tuscia, wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von seinen Bewohnern verlassen, nach Jahrhunderten voller Erdbeben, Erdrutsche und Epidemien: Heute sind seine aufgerissenen Tuffsteinhäuser, der stille Dorfplatz und die Burg einer der stimmungsvollsten (und meistfotografierten) Orte im nördlichen Latium. Der Eintritt ist frei, die Geschichte ist unglaublich, und in diesem Guide finden Sie alles für einen gelungenen Besuch.
Die Geschichte: das Dorf, das aufgeben musste
Celleno hat etruskische Wurzeln — der Name soll von „cella“ kommen, den Grotten und Kellern, die noch heute seinen Tuffsporn durchlöchern. Doch genau dieser Tuff, auf instabilem Untergrund gelagert, besiegelte sein Schicksal. Schon 1696, nach dem Erdbeben der Teverina, wurde es verboten, neue Keller in den Felsen zu graben. Dann Schlag auf Schlag: die Epidemie von 1832 mit Dutzenden Toten, das schwere Beben von 1855, das die Abwanderung einleitete, und schließlich das Erdbeben vom 8. Juni 1931 mit Epizentrum direkt in Celleno. 1934 beschloss man, das Dorf zwei Kilometer talwärts zu verlegen; 1951 verfügte der Gemeinderat die endgültige Aufgabe, und ein Teil der Häuser wurde abgerissen, um Rückkehrer zu entmutigen.
Das Ergebnis, siebzig Jahre später, ist ein Ort wie in der Schwebe: Man überquert den Burggraben, steigt zum alten Rathausplatz hinauf, und es ist, als ginge man durch eine sepiafarbene Fotografie — mit dem Valle dei Calanchi ringsum.
Was man heute sieht
- Das Castello Orsini — das am besten erhaltene Gebäude, mit dem Doppelbogen der Zugbrücke und dem Burggraben: innen der Hof, die Ausstellungsräume und schwindelerregende Ausblicke auf das Tibertal.
- Die Kirche San Carlo (1625) — mit Stuckarbeiten und barocken Verzierungen, die die Verlassenheit überdauert haben.
- Die romanische Kirche San Donato — Portal aus Basaltstein und, Überraschung, eine ständige Sammlung historischer Grammophone und Radios.
- Der alte Dorfplatz — die gute Stube des Geisterdorfs, umgeben von aufgebrochenen Häusern: der fotogenste Punkt, heute nach Enrico Castellani benannt.
Das künstlerische Geheimnis: Enrico Castellani
Und hier das Detail, das kaum jemand kennt: Ab 1973 lebte und arbeitete im Castello Orsini Enrico Castellani, einer der größten italienischen Künstler des 20. Jahrhunderts, Meister der „estroflessioni“ (seiner charakteristischen Reliefbilder) und Mitbegründer von Azimuth mit Piero Manzoni. Er kaufte die Burg des Geisterdorfs, restaurierte sie und hatte dort über vierzig Jahre lang sein Atelier, bis zu seinem Tod 2017. 2019 benannte das Dorf den Platz nach ihm: Der von allen verlassene Ort war zum Refugium eines Giganten der zeitgenössischen Kunst geworden.
Praktische Informationen — geprüft im Juli 2026
- Eintritt: Das Dorf ist das ganze Jahr über kostenlos und auf eigene Faust entlang des Hauptwegs zu besichtigen.
- Burg und Ausstellungsräume: in der Regel an Wochenenden und Feiertagen geöffnet (übliche Zeiten 10–12:30 und 15–19 Uhr); geführte Besichtigungen ~1h30 auf Voranmeldung — Infos und Kalender auf ilborgofantasmadicelleno.com oder bei der Pro Loco (0761 912002).
- Achtung: Einige Bereiche sind wegen Einsturzgefahr abgesperrt — respektieren Sie die Absperrungen, der Tuff erodiert.
- Parken: kostenlos im neuen Ortsteil von Celleno oder am Friedhof (~10-15 Minuten zu Fuß); an Spitzentagen Shuttle vom Ort.
- Dauer: 1–2 Stunden.
- Veranstaltungen: das Kirschenfest (Festa delle Ciliegie) Anfang Juni (Celleno ist das Dorf der Kirsche, inklusive Meisterschaft im Kirschkern-Weitspucken), die Notte Rossa Ende Juni und zu Weihnachten eine lebende Krippe mit über hundert Mitwirkenden zwischen den beleuchteten Ruinen — wahrscheinlich die stimmungsvollste des Latium.
Wann kommen und was fotografieren
Der Frühling liefert den Überraschungseffekt: blühende Kirschbäume zwischen den verlassenen Häusern (Celleno ist Kirschenland, als traditionelles Agrarerzeugnis anerkannt). Die besten Fotos gelingen von der Brücke über den Burggraben und von den Aussichtspunkten der Burg, wenn das flache Licht des späten Nachmittags den Tuff zum Glühen bringt. Und wenn Sie am 26. Dezember oder am 6. Januar hier sind, ist die lebende Krippe im Fackelschein ein einzigartiges Erlebnis.
Anfahrt und Kombinationstipps
Von Villa Vacanze Valentina sind es etwa 30 Minuten durch die Teverina. Die perfekte Kombination ist Civita di Bagnoregio, nur 20 Minuten entfernt: zwei Dörfer, verwundet von derselben fragilen Erde, mit zwei entgegengesetzten Schicksalen — Civita vom Tourismus gerettet, Celleno der Stille überlassen. Nehmen Sie noch den Aussichtspunkt von Lubriano über den Calanchi dazu, und Sie haben einen der intensivsten Tage, die die Tuscia zu bieten hat.
Übernachten
Villa Vacanze Valentina in Bassano in Teverina ist der ideale Ausgangspunkt für die Runde der Teverina-Dörfer: Celleno, Civita, der Bolsenasee gleich dahinter und der Monsterpark von Bomarzo nur 10 Minuten vom Haus entfernt. Abends Pool und Stille — aber die schöne Sorte: die Stille lebendiger Landschaft. Für Paare gibt es die Casetta degli Innamorati, für Familien die Ferienwohnungen in der Villa.
